Loris Japanblog

KitKat / Wenn man an einer Elite-Uni studiert ....

— geschrieben von lori @ 05:55

Heute mal wieder ein paar Fotos. Ich habe uebrigens eine neue Kamera und denke mal demnaechst wird es hier ein paar hochwertigere Fotos geben. Heute allerdings muesst ihr noch mit meiner guten alten Handykamera leben.

KitKat

Ist zwar schon ein alter Hut, aber fuer den einen oder anderen vielleicht trotzdem interessant. In Japan hat KitKat ein Image als "Gluecksbringer" fuer Eintrittspruefungen an hoeheren Schulen und Universitaeten. Das kommt daher, dass man "KitKat" mit ein wenig Fantasie auf Japanisch als "kitto katsu" (きっと勝つ)  lesen kann, was soviel bedeutet wie: "ganz sicher gewinnen (bestehen)". Nestle macht sich das natuerlich zu Nutzen und bringt jedes Jahr spezielle "Pruefungs"Schokolade auf den Markt.

Auf dem Foto sieht man Kirschblueten auf der Packung. Das ist natuerlich kein Zufall: In Japan beginnt das Geschaetfs- und Schuljahr (年度) im April und das bedeutet, dass die meisten Schueler Ende Februar / Maerz ihren Abschluss machen und natuerlich auch die Pruefungen fuer die naechsthoehere Schule bzw. Universitaet ablegen. Das ist genau die Zeit der Kirschbluete und deshalb assoziieren viele Japaner die Zeit der des Schulabschlusses und der Eintrittspruefungen mit ebendiesen.

Hier mal das sehr bekannte "Sakura saku koro", das ebenfalls mit dem Schulabschluss assoziiert wird, eingespielt von "Playest":

 

Thema Nummer zwei heute: Wenn man an einer Elite-Universitaet studiert, dann .... braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Dozenten Porsche fahren...

Diese beiden Boliden stehen regelmaessig vor unserem Institut. Wuerde mich ja mal interessieren, welchen meiner Professoren sie gehoeren :)

 

Wort des Tages:  見栄っ張り - mieppari - prahlerisch, angeberisch, ein prahlerischer Mensch


Japanische Postkarten und Herr Neumann

, — geschrieben von lori @ 13:47

So langsam trudeln bei uns die Zusagen fuer unsere Hochzeit ein und ich habe etwas Faszinierendes entdeckt. Meine bessere Haelfte hat auf die Karten bei unserer Anschrift immer das Zeichen 行 (hier "yuki" gelesen) geschrieben, was in dem Fall "an (Herr/Frau)" heisst. Die Leute, die bisher geantwortet haben, haben allesamt das 行 durchgestrichen und stattdessen 様 (sama) daneben geschrieben, was normalerweise auf Briefen, in Mails etc. als Anrede verwendet wird (so wie in D. "Herr/Frau ....). Wie einige meiner Leser sicher schon geahnt haben: Es geht hier um Hoeflichkeitsstufen.

Meine Freundin hat 行 geschrieben, obwohl sie wusste, dass alle Antwortenden das durchstreichen wuerden. Sie MUSSTE das aber tun, da sie selbst sich nicht als "sama" anschreiben kann. Sie muss sich selbst "erniedrigen" (落とす), in anderen Worten, sie muss bescheiden sein gegenueber den Adressaten. Die Adressaten wiederum muessen ihr gegenueber ehrerbietig sein und sie als "sama" anschreiben.  Hier haben wir dann eines der wichtigeren Konzepte der japanischen Sprache und Gesellschaft: Kenjou (謙譲) und Sonkei (尊敬), was man mit "Bescheidenheit" und "Respekt" uebersetzen koennte.

Es geht eben IMMER um die Hierarchie zwischen den Menschen in Japan. Und wenn der soziale Kontrakt es verlangt, dann schreibt man eben etwas auf die Postkarte, wohl wissend, dass es durchgestrichen und verbessert wird. Ich fragte dann halb im Scherz, ob sie nicht von Anfang an "sama" schreiben koennte. Worauf sie (auch im Scherz!!!) antwortete "du verstehst Japan eben nicht" und "wenn ich "sama" schreibe sieht man mich natuerlich als unreif/kindisch an!". 

Naja, fand's interessant.

 

Ansonsten: Herr Christoph Neumann, seines Zeichens Autor von "Warum Japaner nerven.", eines der bekanntesten, und man muss es leider auch sagen, schlechtesten, populaeren Buecher ueber Japan ist heute im japanischen Fernsehen erschienen. Die Sendung heisst "Mr.News" und erklaert Japananern die Welt (Wirtschaft/Politik etc.). Heute geht es u.a um europaeische Politik und Herr Neumann darf auch seinen Senf dazu geben. Dazu nur zwei Kommentare von mir: 1. Wie kann man nach so vielen Jahren in Japan (im Buch schrieb er von sechs Jahren, aber seit dem ist schon eine Weile vergangen) so schlecht Japnisch sprechen? Stockend, fehlerhaft und gelegentlich generelle Unfaehigkeit sich zu kommunizieren. 2. Wie kann es sein, dass so ein .... Anfaenger? Permanent Kulturgeschockter? Heulsuse? das Bild Japans in Deutschland so stark beeinflusst hat? Der merkt noch nicht einmal, dass die Japaner in der Sendung ihn nicht ernst nehmen. Einfach nur traurig.

 

Wort des Tages: たたく - tataku - schlagen, hauen; auch: jemanden heruntermachen (z.B. Herrn Neumann)


Der nette Herr Kokubo

— geschrieben von lori @ 09:29

Zur Zeit finden bekanntlich die olympischen Spiele in Vancouver statt. Daran nimmt auch der Herr Kokubo (國母) aus Japan teil. Herr Kokubo ist Snowboarder und traegt seine Hosen gerne etwas tiefer, so wie die deutschen Hiphop-Gangster. Ausserdem hat er Dreadlocks und Piercings in der Nase. Mit anderen Worten: Er hat einen "individuellen" Stil.

Dieser Stil hat in den japanischen Medien einen Aufschrei erzeugt und er musste an einer Pressekonferenz teilnehmen, auf der er leise "usse-na" (うっせーな) murmelte. Das uebersetze ich mal mit: "Du nervst, Alter!". In einem Interview beendete er seine Saetze nicht mit "desu", sondern mit dem sehr umgangssprachlichen "ss". Ein echter Flegel also! Da gibt es nur eins: Disqualifikation von den Spielen, denn er ist kein gutes Vorbild fuer Japan! 

Letzten Endes hat er eine zweite Pressekonferenz gegeben und sich "anstaendig" entschuldigt. Damit ist nun alles gut.

Natuerlich gibt es auch (viele) Japaner, die den ganzen Trubel ueberzogen finden.

Tortzdem finde ich das sehr interessant. Warum macht man so einen Aufstand um einen Snowboarder? Fuer die gehoert es doch dazu aufzufallen, ist halt "Snowboardkultur". Wie wuerde man in Deutschland so einen Fall behandeln? Wuerde es ueberhaupt einen "Fall" geben?

Ich habe bei Youtube auch ein Video gefunden in dem ein amerikanischer und ein kanadischer Reporter sich negativ zu Herrn Kokubo aeusserten (Vorbildfunktion und so), ein deutscher Reporter dagegen aeusserte sich (mehr oder weniger) mit "passt scho". Ich gehe davon aus, dass das NICHT represaentativ ist ("Framing" in jap. Medien), aber interessant ist es schon.

Wort des Tages: 腰パン - koshipan - tief unten in den Kniekehlen getragene Hosen


Mit Grabesstimme

— geschrieben von lori @ 07:22

Nein, der Blog ist noch nicht tot. Ich bin mir noch nicht sicher, aber so langsam bekomme ich wieder Lust am Schreiben und es kann gut sein, dass ich den Blog Mitte Februar wieder aufleben lasse, da ich ab da wieder mehr Zeit haben duerfte. Mal schauen :)

An alle treuen Leser, die nach der langen Funkstille noch hier reinschauen: Dankeschoen!

 

P.S. Ich habe gerade gesehen, dass meine Photobucket-Bilder vom September noch immer Online sind - fein fein :) 


Nach den Wahlen

— geschrieben von lori @ 01:31

Wie meine Leser hoffentlich wissen, hat es letzthin sowohl in Japan als auch in Deutschland Wahlen gegeben, die in beiden Faellen zu einer neuen Regierung fuehrten. Interessant finde ich nun, was danach geschah.

In Japan hat bekanntlich die DPJ gewonnen und damit 50 Jahre LDP Herrschaft beendet. Die DPJ ist war nicht wirklich "links", aber zumindest weiter links als die LDP. Wie auch immer, in Japan beherrschen seit der Wahl folgende politische Themen die Debatte:

1) Der Plan der DPJ unnoetige Ausgaben der Vorgaengerregierung zu reduzieren (um mindestens 3 billionen Yen) und die Umsetzung dessen. Mit den unnoetigen Ausgaben sind vor allem "公共事業" (koukyoujigyou) gemeint, "oeffentliche Projekte". Darunter fallen vor allem Infrastrukturmassnahmen wie z.B. Bruecken, Daemme und Strassenbauarbeiten. Man muss dazu erwaehnen, dass diese Ausgaben immerhin fuer ein Zehntel der Staatsausgaben verantwortlich sind. Die DPJ moechte jetzt also viele dieser - oft unnoetigen - Projekte fallen lassen. Zum Beispiel den Bau des "八ッ場ダム" - Yamba-Damms. Der war dann auch fuer ein - zwei Wochen das Hauptthema in den Medien. Der Damm ist schon seit knapp 30 Jahren "im Bau" und bisher stehen nur ein paar Pfeiler einsam in der Landschaft. Als ich in Kusatsu gewohnt habe, bin ich oft daran vorbeigefahren und habe in dem ganzen Jahr nie auch nur einen Bauarbeiter gesehen ... Die lokalen offiziellen Stellen sind natuerlich entschieden gegen den Baustopp, haengen doch Jobs und Geld daran. 

2) Die DPJ moechte gerne die Kosten fuer den Flughafenbau in Japan reduzieren und ausserdem die wichtigsten internationalen Flughaefen in Japan naemlich Narita und Haneda in Tokyo umstrukturieren. Im Moment spielt Narita in etwa die gleiche Rolle wie das deutsche Frankfurt und die meisten internationalen Fluege kommen dort an. Es gibt aber auch einige Fluege, die nach Haneda und Kanku (Flughafen Kansai bei Osaka) gehen. Die DPJ moechte nun Haneda die Rolle des "Hauptflughafens" zuweisen, was prompt zu einem Aufschrei des Gouverneurs der Praefektur Chiba Herrn Morita fuehrte (und natuerlich auch von Seiten des Gouverneurs von Osaka, Herrn Hashimoto, aber der krakeelt ohnehin immerzu - bringt sich wohl schon in Position fuer die naechste Wahl ...), in der Narita liegt. Der gute Morita war uebrigens Schauspieler, bevor er Politiker wurde:

In beiden Faellen haben sich die lokalen Politiker uebrigens zumindest vordergruendig vor allem darueber aufgeregt, dass diese Sachen ueber ihre Kopefe hinweg entschieden wurden.

3) Herr Ozawa, seines Zeichens Fraktionsfuehrer der DPJ hat vorgestern (glaube ich) sieben von 32 Politikern aus dem Ausschuss zur Senkung der Staatsausgaben verjagt. Er echauffierte sich oeffentlich ueber die Anzahl junger "Anfaenger" in diesem "wichtigen und komplizierten" Ausschuss. Dazu kann man nun viel sagen, aber was die Medien am meisten interessiert, ist die "Cliquen"-Bildung (jap. 派閥) in der DPJ. Bisher war vor allem die LDP dafuer beruehmt, aber nun finden sich auch in der DPJ solche Cliquen, deren groesste derzeit die "Ozawa children" sind.

 

Grob zusammengefasst beherrschen also die folgenden Themen das politische Tagesgespraech:

1) Streichung von Staatsausgaben, speziell der sogenannten "oeffentlichen Projekte".

2) Die Cliquenbildung innerhalb der DPJ.

 

Nun schauen wir doch einmal, was in Deutschland seit der Wahl politisches Tagesgespraech war:

1) Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP: Steuersenkungen, Ausstieg aus dem Atomausstieg, Staatshaushalt, Schutz (oder eher nicht) der Privatssphaere, Arbeitnehmerrechte ....

2) Streit / Machtkaempfe zwischen den Koalitionspartnern. 

 

Ich finde es interessant, wie sich die Prioritaeten in der Politik beider Laender unterscheiden. In Deutschland berichten die Medien normalerweise nicht ueber die Netzwerke einzelner Politiker und ihren Einfluss, obwohl diese selbstverstaendlich vorhanden sind. In Japan wiederum verdraengt dieses Thema oft die inhaltliche Politik. 

In Deutschland werden in den Koalitionsverhandlungen zig verschiedene Theman besprochen und in den Medien breit diskutiert; in Japan geht es bisher vor allem um die "oeffentlichen Projekte". 

Wort des Tages: 政権交代 - seikenkoutai - der Regierungswechsel

Raetsel des Alltags

, — geschrieben von lori @ 14:09

Heute zwei kleine Anekdoten aus dem Alltag an der Tokyo Universitaet.

1. Komische alte Frauen auf dem Campus:

Als ich letztens ueber den Campus lief sah ich viele alte Frauen, die stinkende kleine gelbe Fruechte einsammelten. Ich war natuerlich fasziniert und habe nachgefragt. Sie sammelten "Ginnan" (銀杏) ein. So nennt man die Fruechte des Ginkgo-Baumes. Und obwohl das Fruchtfleisch ein wenig nach Hundekot riecht, ist der Kern im Inneren wohl ganz lecker. 

Auf dem Campus der Tokyo Universitaet findet man uebrigens ziemlich viele Ginkgo-Baeume, die laut Wikipedia schon zu den gefaehrdeten Arten zaehlen. Zwei Ginkgo-Blaetter bilden uebrigens auch das Symbol der Tokyo Universitaet.

 

2. Mysterioese PET-Flaschen:

Ich habe an anderer Stelle schon einmal ueber die in Japan an manchen Strassenecken stehenden mit Wasser gefuellten Plastikflaschen geschrieben. Diese Flaschen dienen soweit ich weiss dazu, Katzen abzuschrecken. Nun habe ich auch bei uns im Institut auf den Toiletten solche Flaschen entdeckt. Ich war natuerlich verwirrt, denn ich glaube eher nicht, dass sich Katzen auf unsere Toiletten verirren. Also habe ich bei der naechsten Gelegenheit die Putzfrau gefragt und die erklaerte mir, dass die Flaschen schlicht als Tuerstopper gedachte waren *d'oh*


Dazu faellt mir noch das hier ein:

なぞなぞみたいに *sing* 

Aus dem Soundtrack von "Suzumiya Haruhi no yuutsu" (Die Melancholie von Suzumiya Haruhi), das ein wirklich empfehlenswerter Anime ist.

Wort des Tages: おすすめ - osusume - die Empfehlung


Kinderlieder # 1

, — geschrieben von lori @ 10:31

Ich moechte ab sofort ab und zu ein Kinderlied im Blog vorstellen. Heute fange ich mit: "Genkotsuyama no tanuki san" (etwa: "Der Tanuki vom Faust-Berg") an.

Der Text der ersten Strophe lautet wie folgt:

げんこつやまのたぬきさん
おっぱいのんでねんねして
だっこして おんぶして
また あした

In Umschrift:

genkotsuyama no tanukisan

oppai nonde, nenne shite

dakko shite, onbu shite

mata ashita

Uebersetzt: 

Der Tanuki vom Faust-Berg

An der Brust von Mama! Schlaefchen!

Kuscheln und sich tragen lassen!

Bis dann! 

 

Schwierig, die japanische Kinder- / Babysprache zu uebersetzen. Spannend sind auch die Gesten, die man beim Singen des Lieds macht:

Es gibt noch mehr Strophen, aber meist wird nur die erste Strophe gesungen und am Ende das in Japan sehr beliebte "Stein-Schere-Papier" gespielt. Ich mag das Lied. :) 

 

Wort des Tages: 子供の歌 - kodomo no uta - Kinderlied

 


Mal wieder ein paar Fotos

— geschrieben von lori @ 14:19

So, es wird mal wieder Zeit fuer einen neuen Eintrag in diesem Blog. Ich bin im Moment zwar leider sehr beschaeftigt, aber fuer ein paar Fotos hat es dann doch noch gereicht.

 

Hier mal ein Beispiel fuer beschissene Werbung: 

Weil junge Maenner herben Geschmack lieben. 

(Das Wortspiel "koi" (herb) und "koi" (lieben), laesst sich leider nicht uebersetzen.) 

 

Und hier etwas aus der Rubrik: WTF?

Auf dem Schild um den Hals dieser jungen Dame steht: 私の志集300円

Was das bedeutet kann ich mir nicht so recht vorstellen. Sie verkauft anscheinend eine "Aufsatzsammlung" fuer knapp 2,30 Euro.  

 

Und noch ein interessantes Photo:

Heute nacht ist ein Taifun ueber Tokyo hinweggefegt. Heute mittag hat schon wieder die Sonne geschienen, aber es hat noch immer starker Wind geweht. Irgendwann im Laufe der Nacht hat sich dann die Ampel bei uns um die Ecke um ca. 90 Grad gedreht. Da hat wohl jemand geschlampt beim Aufbau :)

 

Und hier die Werbung einer Maedchenuniversitaet: 

東京純心大学 - Die "reines Herz" Maedchenuniversitaet. Klasse, oder? Man kann wohl davon ausgehen, dass es sich hier um eine sogenannte "お女様学校" (ojosamagakkou) - oder auch "Schule fuer hoehere Toechter" handelt. Da lernen die Maedels dann, wie sie gute Muetter und Hausfrauen werden. Ganz gemaess dem Motto "良妻賢母" (ryousai kenbo) - gute Frau und weise Mutter, das im Japan der Meiji-Zeit, also vor mehr als hundert Jahren, gepraegt wurde. Lang lebe die Geschlechter-stereotypisierung.

 

Und zuletzt noch ein Photo, das ich heute im Inneren der Immigrationsbehoerde geschossen habe: 

In Japanisch steht da:

"Bitte warten Sie, bis sie aufgerufen werden."

Die englische Uebersetzung wird zu:

"Bitte bleiben Sie an der roten Linie stehen."

Haette man das nicht ein bisschen liebevoller uebersetzen koennen?

Naja, ich habe jetzt jedenfalls mein neues Visa und darf bis 2012 in Japan bleiben. Doof nur, dass mein Pass im Maerz 2010 auslaeuft. Das wird sicher wieder irgendeinen Buerokratiekram auf den Plan rufen. Dabei habe ich den ganzen Scheiss hier an der Toudai gerade hinter mir. *seufz* 

 

Wort des Tages: 突風 - toppuu - ploetzlicher Wind, Windboee 


Kleine Auszeit

— geschrieben von lori @ 01:45

Der Blog wird fuer weitere 1 - 2 Wochen ruhen. Aber keine Angst, ich komme zurueck und dann gibt es Berichte zum Leben an der Toudai (Tokyo Universitaet)!

P.S. Das zweijaehrige Nachbarsmaedchen sagt immer brav "Guten Tag", wenn es mich sieht. Das finde ich genial Auf jeden Fall besser als "hallo", das nur zufaellig nach Deutsch klingt, weil fast alle Japaner "hello" falsch aussprechen.

 Wort des Tages: 休憩 - kyuukei - Pause


Wieder mal Fotos

, — geschrieben von lori @ 04:48

So, ich habe jetzt mal auf Photobucket ein paar Bilder hochgeladen. Mal sehen wie lange die Online bleiben.

Erstmal gibt es noch einmal meine bessere Haelfte und mich in suendhaft teurer Hochzeitskleidung zu bewundern:

 

Dann habe ich letztens eine schoene Werbung zum Thema "Panikmache vor der Schweinegrippe" gesehen:


 

ニッポンの、家族マスク。 - Die Familienmaske(n) Japans

Die Werbung fiel mir ins Auge weil sie ziemlich clever gemacht ist. Das Arrangement ist wie bei jedem guten Fotografen in Japan; Kleidung und Pose sind archetypisch. Spannend ist auch, wie in der Werbung das Komma als stilistisches Element verwendet wird (naja wenn man Japanisch kann).

Im Fernsehen lief letztens eine Sendung, in der sie erklaert haben, warum Masken keinerlei Schutz vor der Schweinegrippe bieten. Die Viren sind naemlich um einige Dimensionen kleiner als die Poren der Masken es sind. Aber das hindert die Industrie natuerlich nicht, ihr Produkt als Schutz gegen ebendiese zu verkaufen.

Die Schweinegrippe heisst in Japan uebrigens - etwas genauer als in D. - "Neue-Form-Grippe" (新型インフルエンザ).

 

Am Ende noch ein kleines Quiz: Was ist das? 

 
Wort des Tages: アルバム - arubamu - (Foto)Album


Babysprache

— geschrieben von lori @ 16:29

Vorgestern habe ich wieder einmal meine zukuenftige Nichte besucht. Sie ist jetzt zwei Jahre alt und natuerlich unglaublich niedlich und voller Energie. Am spannendsten finde ich aber, was sie aus den "schwierigeren" japanischen Worten macht.

Ein paar Beispiele:

Deutsch        Japanisch      Baby-Japanisch 

Erdbeere  -      ichigo  -        gokko

essen     -       taberu  -       baberu

Apfelsaft -     appuru ju-su - apo 

suess, niedlich - kawaii      - kowai (das bedeutet eigentlich "angsteinfloessend, schrecklich")

pipi machen  -  oshikko   -   chichi 

Edit:

Das beste Wort habe ich noch vergessen.

Bart           -    hige    -   arisan (von "ari" fuer Ameise und "san" von "takusan" - "viel"; also "viele Ameisen" haha)

Edit Ende 

Vor allem "baberu" finde ich genial :) So, das war's dann auch schon fuer heute.

Wort des Tages: 赤ちゃん - akachan - Baby (woertlich "Rot-chen", was ich toll finde!) 


Japans Noch-Ministerpraesident ist angepisst

, — geschrieben von lori @ 08:59

Herr Aso ein paar Tage nach der verlorenen Wahl:

Kurz zusammengefasst fragt die Reporterin nach, wie genau Herr Aso denn nun gedenkt, den Uebergang zur neuen Regierung zu bewerkstelligen.  Aso antwortet mit der Frage, ob die Reporterin denn nicht beim Kambinettssekretaer (官房長官 - entspricht vielleicht dem deutschen Kanzleramt?) nachgefragt habe. Als sie das bestaetigt, beschuldigt Aso sie erst, ihn reinlegen zu wollen und fragt dann mit mehr als ein bisschen Vitriol in der Stimme, ob das denn eine "anstaendige" Vorgehensweise fuer einen Journalisten sei. Dann verzieht er sich erst einmal. 

Als er zurueckkehrt, wehrt er Fragen nach der Parteipolitik (LDP) ab und will nur Fragen beantworten, die etwas mit dem Amt des Ministerpraesidenten zu tun haben. Dabei behandelt er die Journalisten mehr als nur ein bisschen von oben herab und fragt am Ende noch haemisch, ob sie es denn nun endlich "verstanden" haetten

Wer kein Japanisch kann, soll sich einfach nur sein Gesicht anschauen. Generell allen viel Spass!

 
Wort des Tages: いらいら - ira-ira - genervt sein, "angepisst" sein, schlechte Laune haben


Mal wieder Insekten ... und Kappa-Sushi

— geschrieben von lori @ 03:40
Heute morgen haben wir vor unserer Tuer eine "Kamakiri", in Deutschland besser als "Gottesanbeterin" oder "Mantis" bekannt, gefunden. Ich finde die Viecher ganz schoen respekteinfloessend.

Man beachte die Groesse und die Tatsache, dass ihre Greifarme auch nach hinten funktionieren. Brrr. Letztens hat so ein Vieh uebrigens auf dem Lenker meines Fahrrads gesessen. Ich hab's zum Glueck rechtzeitig gesehen. *grusel*

 

Und nun ein ganz anderes Thema:

Dass es in Japan Sushi und auch viele Sushilaeden ist wohl bekannt. Auch das sogenannte "Fliessbandsushi" (回転寿司) ist in Deutschland hinreichend verbreitet, denke ich. In Japan gibt es von diesen Fliessbandsushilaeden (tolles Wort!) viele verschiedene Ketten und Marken. Eine davon ist "Kappa-Sushi" (eigentlich eine bestimmte Sushi-Sorte). Ihr Geschaeftsmodell besteht darin, grosse Laeden mit vielen Sitzplaetzen an stark befahrenen Strassen zu bauen und viel Sushi fuer wenig Geld zu verkaufen. Also eine Art "Fastfood Sushi". Ich mag den Laden und es gibt eine Filiale bei uns in der Naehe, die wir heute mal besucht haben.

"Kappa-Sushi" ist aus mehreren Gruenden toll. Vor allem ist es natuerlich billig. Freundin und ich haben heute Mittag nach Herzenslust Sushi gefuttert, dazu noch Getraenke bestellt und Nachtisch. Fuer ganze 2000 Yen (etwa 16 Euro). Toll ist auch der "Shinkansen" (siehe Bild) der einem spezielle Bestellungen (z.B. eine bestimmte Sushisorte) an den Platz liefert. Der Geschmack ist natuerlich eher durchschnittlich, aber ich bin da nicht so waehlerisch ;)

 

Wort des Tages: 河童 - kappa - Das Kappa ist ein Mythenwesen, das in Fluessen lebt. Wadoku uebersetzt es mit "Flusskobold". "Kappa-Sushi" bezeichnet normalerweise "Maki-sushi" mit Gurkenfuellung.


Ueber Service

— geschrieben von lori @ 10:40

Ich glaube jeder Deutsche, der einmal in Japan gelebt hat, hat schon einmal eine Lobeshymne auf den Service hier angestimmt. Ob es nun die beruehmten sauberen und puenktlichen Zuege oder das perfekte Laecheln der Angestellten ist: Als Kunde ist man in Japan wirklich fast immer Koenig.

Das gilt auch fuer die Paketdienste in Japan. Heute moechte ich einmal beschreiben, wie das hier funktioniert, wenn ein Paket zugestellt werden soll.

1) Der Paketbote kommt zur Haustuer und klingelt immer (!) drei Mal, wenn niemand aufmacht.

2) Wenn niemand die Tuer oeffnet, hinterlaesst der Paketbote einen Zettel auf dem viele lustige Zahlen stehen. Anfangs ist das ein wenig verwirrend, aber wenn man sich einmal eingefuchst hat, ist das System narrensicher und kinderleicht zu bedienen. Natuerlich nur, wenn man Japanisch kann ;) *

Man ruft die "automatische Neuzustellungsnummer" auf dem Zettel an. Da gibt es dann einen Bandansage, die sich auf das Wichtigste beschraenkt und in dieser Reihenfolge fragt:

a) Zustellungsnummer (ist auf dem Zettel) 

b) Zustellung am gleichen Tag Ja/Nein

c) Wenn gleicher Tag, dann welche Uhrzeit? Wenn nicht gleicher Tag, dann morgen oder uebermorgen? Sonst Datumseingabe. Danach dann wieder Uhrzeiteingabe. Die Uhrzeit kann man eingeben mit 1 - 6, 1 bedeutet Vormittag, danach gibt es 2-Stunden Intervalle.

d) Zur Bestaetigung noch die eigene Telefonnummer.

Fertig. Das laesst sich in zwei Minuten erledigen und kostet keinen einzigen Yen (Anruf ist selbstverstaendlich kostenlos). Man kann auch mehrere Male nicht da sein. Kein Problem. Man kann auch seinen persoenlichen Zusteller (Nummer ist ebenfalls auf dem Zettel) anrufen, wenn man das moechte. Und billig ist das Pakete verschicken auch noch ...

Wenn ich mich da an D. und meine Besuche in sogenannten "Postcentern" erinnere, graust's mich nur.

 

Ueberhaupt gilt fuer Telefonhotlines in Japan, was generell gilt. Der Service ist dem in Deutschland um Lichtjahre voraus. Ich hatte bisher IMMER kompetente Mitarbeiter am Hoerer und IMMER innerhalb kurzer Zeit. Warteschleife gibt es eigentlich nur, wenn der Arbeiter an MEINEM Problem arbeitet.

Ich kann nur immer wieder sagen: Arme Kunden in Deutschland.

 

Wort des Tages: 再配達自動受付 - saihaitatsu-jidou-uketsuke - "Automatische Neuzustellungsannahme" 

 

* Ich meine, es gibt sogar eine englischsprachige Hotline, bin jetzt aber zu faul nachzusehen.


Auf Nimmer-Wiedersehen LDP!

— geschrieben von lori @ 16:44

Die Wahlen in Japan sind so gut wie gelaufen und die bisher oppositionelle DPJ (民主党) hat einen ueberwaeltigenden Sieg eingefahren. Die genauen Zahlen variieren noch je nach Fernsehsender, aber man kann wohl davon ausgehen, dass die DPJ etwa 70% der Sitze im Unterhaus bekommen wird. Damit ist Assi-Tarou (Ex-Premierminiser) vom Fenster! Darauf ein Chapeau!

Die Frage ist nun nur, wie sich die DPJ als Regierungspartei schlagen wird. Ich sehe zwei grosse Gefahren:

1) Ungenuegende Parteidisziplin, die zur Zersplitterung / Aufloesung der Partei fuehrt.

2) Die DPJ mutiert ueber einen "Bandwagon-Effekt" zur neuen LDP. Bereits jetzt unterscheiden sich die Programme beider Parteien nur marginal und viele DPJ Politiker waren frueher in der LDP (gut, ging ja auch bisher nicht anders, wenn man in Japan was zu sagen haben wollte). 

Naja mal schauen.

Wort des Tages: 当選 - tousen - Sieg bei einer Wahl / Lotterie


Japanische Ansichten

, — geschrieben von lori @ 06:39

Der heutige Eintrag ist aufgrund persoenlicher Erfahrung geschrieben und ziemlich spekulativ. Ich weiss wirklich nicht, ob meine "Beobachtungen" sich verallgemeinern lassen oder auch nur akkurat sind, finde es aber trotzdem interessant ueber diese Themen nachzudenken.

 

Ueber Mitleid 

Es gibt in der japanischen Sprache mehrere Moeglichkeiten sein Mitleid auszudruecken. Die haeufigste ist sicher "kawaisou" (かわいそう). "kawaisou" benutzt man im Allgemeinen so wie im Deutschen "du Armer" / "der bzw. die Arme". Aber leider ist es nicht ganz so einfach. Ich bin sowohl im offiziellen Rahmen, also auf Arbeit, als auch im privaten Rahmen (Freundin) schon mehrere Male angepflaumt worden, als ich jemanden als "kawaisou" bezeichnete. Letztens habe ich mich deshalb mal mit Freundin angelegt und wir haben dann lange darueber diskutiert, wie man Mitleid ausdruecken oder dem anderen beistehen kann. 

Ich glaube, hier besteht ein ziemlich wesentlicher Unterschied im Denken von Japanern und Westlern. Die einzelnen Punkte, die wir herausgearbeitet haben, die aber keineswegs richtig sein muessen, sind:

1) "kawaisou" wird oft als anmassend empfunden, so, als ob man sich von oben herab lustig macht. Im Deutschen vielleicht "Oh, du armer" mit ironischer Betonung.

2) Dieser herablassende Eindruck hat vielleicht etwas mit der Art wie Japaner kommunizieren zu tun. Man gibt in Japan im Allgemeinen nicht so sehr seine eigene Meinung und Gefuehle zum besten, wie z.B. in Deutschland. Daher wirkt eine solche Aeusserung auf viele Japaner vielleicht oft deplaziert und erzeugt Unmut.

3) Ich habe die Vermutung, dass die Idee "Mitleid" als solche in Japan generell nicht so stark verwurzelt ist wie in Deutschland. Ich vermute das liegt am geschichtlichen Einfluss der christlichen Kirche in Deutschland. Einen solchen Einfluss hat es hier nie gegeben. Ich vermute weiterhin, das ist auch der Grund, warum es regelmaessig Meldungen in der westlichen Presse gibt ueber "unmenschliche" Japaner, die anderen Japanern, die z.B. im Ausland als Geiseln genommen wurden oder sich dort Krankheiten zugezogen haben, genau das zum Vorwurf machen. Nach dem Motto: "Selbst Schuld wenn du dich in Gefahr begibst und nun belaestige / gefaehrde uns bitte nicht mit deinen selbstverschuldeten Problemen." Kurz gesagt kommt hier vielleicht das Primat des Wohles der Gruppe ueber das Leid des Einzelnen zum tragen.

4) Ein letzter Punkt ueber den ich ein wenig nachgedacht habe, ist das Verhaeltnis zwischen Individuen in Japan und Deutschland. Man sagt im Allgemeinen Japaner haetten "starke Bindungen", waehrend Deutsche eher "schwache Bindungen" haben. Daraus folgt dann evtl., dass man in Deutschland wesentlich haeufiger und "leicht-sinniger" sein Mitleid ausdrueckt, was in Japan als unaufrichtig oder gar anmassend wahrgenommen wird.

 

Ueber Menschlichkeit

Vorgestern ging es meiner Freundin ueberhaupt nicht gut. Sie hatte schon am Vortag starke Rueckenschmerzen und hat sich dann doch zur Arbeit geschleppt, in der Hoffnung, dass sie es ertragen kann. Konnte sie nicht. Sie ging dann kurz nach dem Eintreffen auf Arbeit zu ihrer Chefin um sich wegen ihrer Schmerzen einen Tag krank zu melden. Die Chefin reagierte sehr erbost und fuhr meine Freundin (26) an: "So etwas ist als Angestellter / Erwachsener inakzeptabel.", "So etwas ist menschlich inakzeptabel." und "Sprich mal mit deinem Vater, damit der dir sagt, wie man sich als Erwachsener richtig verhaelt.". Freundin war dann noch so doof zu sagen, dass sie an dem Tag davor in der Stadt unterwegs war (Schuhe fuer die Arbeit kaufen und zum deutschen Baecker in Nihonbashi), worauf Chefin ihr noch empfahl, dass sie an freien Tagen gefaelligst ausruhen soll, um fit fuer die Arbeit zu bleiben.Sie bekam den Tag "frei", musste dafuer aber den darauffolgenden Tag arbeiten, der eigentlich frei war. 

Ich habe sie dann ins Krankenhaus gefahren, wo ihr eine zerquetschte Bandscheide diagnostiziert wurde (medizinisch vielleicht falsch ausgedrueckt, jedenfalls ist der Zwischenraum zwischen zwei Rueckenwirbeln zusammengepresst worden). Ursache ist ganz klar das staendige Stehen auf Arbeit, Behandlung mit Schmerzmitteln und Rueckenpflastern war kein grosses Problem. Gestern und heute hat sie wieder normal gearbeitet und nur noch leichte Schmerzen.

Interessant an dem ganzen Vorgang ist die Reaktion der Chefin. Zuerst kommt das Wohl der Firma und dann das Wohl des Menschen. Auch an freien Tagen hat man im Sinne der Firma zu leben. Und wenn man krank wird, ist das weniger ein Problem des Betreffenden als der Firma, fuer das der Betreffende sich auch noch entschuldigen muss. 

Ich kann mir gut vorstellen, dass auch deutsche Vorgesetzte (Meister - Lehrling z.B.) aehnlich schlecht mit ihren Angestellten umgehen und in Entwicklungs- und Schwellenlaendern wie z.B. in China muessen die Menschen sicher sogar noch mehr zurueckstecken / leiden, aber ich finde es dennoch krass.  

Am Ende noch ein kleines Zitat von Yukio Hatoyama, Chef der DPJ und wohl bald japanischer Ministerpraesident. Hervorhebung von mir.

In the post-Cold War period, Japan has been continually buffeted by the winds of market fundamentalism in a U.S.-led movement that is more usually called globalization. In the fundamentalist pursuit of capitalism people are treated not as an end but as a means. Consequently, human dignity is lost.

Aus dem Mund des steinreichen Tokyo University / Stanford Absolventen Hatoyama klingt das zwar nicht so furchtbar glaubwuerdig, aber er spricht mir dennoch aus dem Herzen.


Und noch ein Link

— geschrieben von lori @ 09:01

Die Zeit zum Atombombenabwurf auf Hiroshima: clicky

Interessantes Thema. Schwer einzuschaetzen, welche Version der Geschichte wahr ist.

 

Was ich schon lange mal fragen wollte. Es scheint ja so, als ob meine Fotos nach einer Weile aus dem Blog verschwinden, obwohl sie bei Yahoo immer noch im Album sind. Deshalb die Frage: Kennt jemand eine kostenlose Datenbank, bei der ich meine Fotos hochladen kann und bei der sie nicht nach einem Jahr oder so verschwinden?  


Der 15.8. in Japan / Yasukuni-Jinja

, — geschrieben von lori @ 11:17

Der 15. August ist in Japan ein ziemlich wichtiger Tag. Am 15. August 1945, sechs Tage nach dem Abwurf der zweiten Atombombe auf Japan, hat Kaiser Hirohito in seiner beruehmten Radioansprache die Kapitulation Japans verkuendet und damit das Ende des zweiten Weltkriegs im Pazifik. Dieser Tag wird in Japan jedes Jahr gefeiert und nennt sich  "Tag zur Erinnerung an das Ende des Krieges" (終戦記念日, shuusenkinenbi). An diesem Tag wird offiziell der Opfer des Kriegs gedacht und fuer Frieden gebetet. Speziell in den Staedten Nagasaki und Hiroshima wird diesem Tag natuerlich grosse Bedeutung beigemessen.

Auch im Yasukuni-jinja (靖国神社), Symbol der Rechten in Japan, ist dieser Tag natuerlich sehr wichtig. Hier versammelt sich jedes Jahr eine bunte Menge bestehend aus Anhaengern der Rechten in Japan, Yakuza (Yakuza und Rechte haben sehr gute Beziehungen, bzw. sind oft Personalunion), ehemaligen Soldaten und deren Nachkommen und Touristen. Alles in allem wohl mehrere zehntausend Menschen.

Die meisten Besucher wollen nur der japanischen Gefallenen gedenken, die im Schrein verehrt werden. Sie tun dies indem sie einen "Jinja-mairi" (神社参り) machen, einen Schreinbesuch. Dieser ist ziemlich ritualisiert und dauert abzueglich der Wartezeiten aufgrund des Menschenauflaufs nur wenige Minuten. Prinzipiell werden ein paar Muenzen in einen dafuer vorgesehenen Behaelter geworfen, zweimal kurz in die Haende geklatscht, sich verbeugt und mit geschlossenen Augen zu den verehrten Vorfahren gebetet.

Aber so ein Ereignis zieht natuerlich auch eher fragwuerdigere Elemente der japanischen Gesellschaft an: Yakuza und - in Ermangelung eines besseren Wortes - Cosplay-Opas. Dazu mal ein paar Bilder:

Man sieht schoen die originalgetreuen Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg und die Fahne der kaiserlichen japanischen Armee, die meiner Meinung nach verboten gehoert, aber ich bin ja nur ein doofer Auslaender. Was man leider nicht sieht, sind die Posaunentoene und die "Tenno-heika-banzai"-Schreie (10000 Jahre dem Kaiser / Kaiser! Hurra!).

Von den Yakuza habe ich lieber keine Photos gemacht, da sie mich meist sehr boese anschauten, zumal ich spasseshalber im Yukata dort auftauchte. Die dachten wohl: "Will der komische Auslaender etwa Japaner werden?". *lach* Freundin litt sehr unter den vielen bohrenden Blicken der anwesenden Japaner.

Am Ausgang des Schreins und auf dem Weg zur nahegelegenen U-Bahnstation hatten sich alle moeglichen rechten Gruppierungen breitgemacht und ich liess mir die Gelegenheit natuerlich nicht entgehen und nahm alles, was mir an Flyern angeboten wurde mit Freude entgegen und machte fleissig Fotos. Hier mal eine kleine Auswahl meiner Schnappschuesse:

Auf dem T-Shirt dieses sympathischen alten Mannes mit seiner Ukelele steht: 日本人よ!胸を張れ!!大和民族の子孫として 

Den unteren Teil kann man leider nicht lesen. Die Uebersetzung des oberen Teils lautet etwa: "Japaner! Streckt eure [stolzgeschwellte] Brust raus! Als Nachfahren des Yamato-Volks!" 

Dazu muss man wissen, dass sich vor allem national gesinnte Japaner gerne als Yamato-Volk ansehen. Die Provinz Yamato erstreckte sich meines Wissens um die Stadt Nara herum, einer Wiege der japanischen Kultur. Die Rechten in Japan vereinfachen die Geschichte gerne und sehen die Urspruenge Japans nur dort und verklaeren die "Yamato-Seele" zur einzig wahren "japanischen" Gesinnung. Damit blendet man natuerlich die Zuwanderungsstroeme aus Festlandasien komplett aus. Es gab auch ein "legendaeres" Schlachtschiff (und Flaggschiff der japanischen Marine) mit diesem Namen im zweiten Weltkrieg, das noch heute von der Rechten fast kultisch verehrt wird.

Aber ich schweife ab, naechstes Foto :) 

Und hier der Beweis, dass Wahnsinn nie weit entfernt ist, wenn man mit den Rechten zu tun hat.

神の掟 仏の教え

SEXは結婚してから自分の伴侶とだけ行う事。色々な人と行ってしまうと男でも女でも霊的にごちゃごちゃになってしまう。霊的にごちゃごちゃだとごちゃごちゃだと結婚してからどうなるか。SEXが愛ではない。

Uebersetzt:        

                  Das Gebot Gottes              Die Lehre Buddhas  

Sex ist etwas, was man nur nach der Ehe und nur mit seinem Partner vollzieht! Wenn man mit vielen verschiedenen Menschen Sex hat, wird man spirituell ganz wirr im Kopf. Was passiert wenn man spirituell verwirrt ist und dann heiratet? Sex ist nicht Liebe! 

*seufz* Das ist so falsch, dass ich garnicht weiss, wo ich anfangen soll und es deshalb lieber lasse. Letztens hatten wir uebrigens auch ein Werbeprospekt einer buddhistischen Sekte im Briefkasten, die mit aehnlich evangelikalen Sichtweisen und "Wundern" (Handauflegen und co.) lockte. 

 

Zum naechsten Foto:

支那の犬に死刑を

高金素梅と林恰君へ

罪状: 英霊への侮辱罪 

再入国は縛り首だ 

Todesstrafe fuer die Hunde Chinas 

Gāojĭn Sùméi (jap. Koukin Sobai) und (chinesischer Name, den ich nicht lesen kann)

Ihr habt das folgende Verbrechen begangen: Beleidigung der Heldenseelen

Bei der naechsten Einreise nach Japan: Tod(esstrafe) durch Erhaengen!

 

Frau Gaojin habe ich, glaube ich, schon eimal in dem Film "Yasukuni" gesehen. Sie ist eine taiwanesische Aktivistin, die, wenn ich micht recht erinnere, moechte, dass die Seelen der im Krieg auf japanischer Seite gefallenen taiwanesischen Soldaten aus dem Yasukuni-Jinja entfernt und in Taiwan "aufbewahrt" werden. In der japanischen Wikipedia steht, dass sie Sangerin und Schauspielerin und letzthin Politikerin war. Nach Japan kam sie 2005 und organisierte Aktionen gegen den Yasukuni-Jinja. Zu der zweiten Person konnte ich keine japanische Seite und auch keine Uebersetzung ihres Namens finden. 

Naechstes Foto:



外国人参政権

反対の請願署名

受付中

Wahlrecht fuer Auslaender

Wir nehmen jetzt  

Unterschriften dagegen an!

 

Ich glaube wirklich nicht, dass irgendwelche Auslaender in Japan waehlen duerfen, nicht in diesem Jahrhundert. Aber es laesst sich natuerlich schoen mit dem Thema polemisieren. Leider kann man auf den Photos auch den schoenen Slogan "Japan den Japanern" (日本は日本人の国だ!) nicht hoeren. Bei nicht einmal 2% Auslaendern in Japan, von denen man 90% nicht einmal am Gesicht erkennen kann, hat Japan schon ein echtes Problem mit Ueberfremdung ... 

Interessant auch, dass ich zwischen all den rechtsradikalen und auslaenderfeindlichen Plakaten und Broschueren auch ein Prospekt der japanischen Regierungspartei LDP in die Haende gedrueckt bekam.

 

Am Ende noch eine kleine Schlussbemerkung: So wenig Sympathie ich den Rechten in Japan entgegenbringe, so muss man ihnen doch zugute halten, dass sie bei weitem weniger gewaltbereit sind, als die deutschen Nazis. Ich wurde bei der zentralen Veranstaltung im zentralen Heiligtum der Rechten in Japan als offensichtlicher Auslaender nicht ein einziges Mal angepoebelt (!), geschweige denn koerperlich angegriffen. Boese Blicke gab es dafuer im Dutzend. :) Unvorstellbar wenn z.B. eine Japanerin beim Rudolf Hess Gedenktag der NPD auftauchen wuerde. 

Inhaltlich haben die Nazis in Japan und Deutschland natuerlich trotzdem viele Gemeinsamkeiten.

Wort des Tages: 右翼 - uyoku - die (extreme) "Rechte" in Japan

Heute mal ein Link

— geschrieben von lori @ 06:12

Artikel und Diskussion in der New York Times zum Thema "Hostess Clubs in Japan".

Wort des Tages: キャバクラ - kyabakura - "Hostess Club" (aus den Worten "Cabaret" und "Club" geformt; Hostess Clubs bieten meist keinen Sex an sondern nur - sexuell aufgeladene - Unterhaltung)


Erdbeben

, — geschrieben von lori @ 15:40

Heute hat es in Tokyo ein Erdbeben der Staerke 4 auf der japanischen Skala gegeben. Das entspricht einer 5,5 auf der Richterskala.

Es fing ganz harmlos an und ich dachte mir "naja so ein kleines Beben passt schon, aber gehen wir mal lieber auf Nummer sicher". Und tatsaechlich: Eine Minute spaeter fing das eigentliche Beben an. War mein zweites Erdbeben in Japan (zumindest soweit ich mich erinnere) und wieder ganz schoen gruselig. Ich habe mich an den naechstbesten Tuerrahmen in unserer Wohnung geklammert und der Dinge geharrt, die da noch kommen wuerden.  怖い怖い。 Zum Glueck war es dann nach einer weiteren Minute auch wieder vorbei.

Wort des Tages: 震度 - shindo - Erbebenstaeke (die japanische Skala reicht von 1 - 7, mit 7 als staerkstes Beben)

 


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